Was ist ein Freistellungsauftrag?

Ein Freistellungsauftrag ist eine Anweisung an das Kreditinstitut, die anfallenden Kapitalerträge (Zins- und Dividendenzahlungen sowie Spekulationsgewinne) bis zu einem bestimmten jährlichen Betrag vom automatischen Abzug der Kapitalertragssteuer zu befreien. Bei Nichterteilung eines solchen Auftrages werden 31,65 Prozent des Kapitalertrages einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Dieser Satz setzt sich aus den 30 Prozent Kapitalertragssteuer zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag zusammen.

Der Maximalbetrag, der mit dem Freistellungsauftrag vom Steuerabzug befreit werden kann, beträgt derzeit 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete. Die Beträge enthalten schon die gewährte Werbungskostenpauschale von 51 bzw. 102 Euro. Dieser Freibetrag kann beliebig auf verschiedene Kreditinstitute verteilt werden. Somit sollte der Betrag entsprechend der Höhe der zu erwartenden Zinsen aufgeteilt werden. Für alle über den erteilten Freistellungsauftrag hinausgehenden Kapitalerträge wird dann die Kapitalertragssteuer fällig.

Bei Dividendenzahlungen und Spekulationsgewinnen gilt das so genannte Halbeinkünfteverfahren. Das bedeutet, dass nur die Hälfte der entstanden Kapitalerträge versteuert werden muss. Entsprechend kann hier die Höhe des erteilten Freistellungsauftrages halbiert werden.

Auch für die Konten der Kinder sollte ein Freistellungsauftrag erteilt werden, denn auch sie haben Anspruch auf einen eigenen Freibetrag von 801 Euro. Der Antrag sollte, wenn möglich, vom Kind mit unterschrieben werden. Eheleute müssen nur dann einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, wenn sie gemeinsam veranlagt werden, d.h. eine gemeinsame Steuererklärung abgeben. Für Gemeinschaftskonten von nicht verheirateten Paaren kann allerdings kein gemeinsamer Freistellungsauftrag erteilt werden. Das gilt auch für Konten von Wohnungseigentümer- oder Erbengemeinschaften.

Einrichtung / Änderung

Die Einrichtung, Änderung und Löschung eines Freistellungsauftrages ist kostenlos. Meist muss das entsprechende Formular ausgefüllt und unterschrieben bei der Bank eingereicht werden. Es ist jedoch auch möglich, einen Freistellungsauftrag im Rahmen des Online Bankings online zu stellen und ihn mit einer TAN zu "unterschreiben". Diese Möglichkeit wird bisher aber nur von wenigen Banken angeboten.

Die Freibeträge werden leider im wieder gekürzt. Vor dem 1.1.2007 lagen diese noch bei 1.421 Euro für Ledige und 2.842 Euro für Verheiratete. Damit wurden sie fast halbiert. Wenn so eine Kürzung ansteht, verringert die Bank automatisch den erteilten Freistellungsauftrag, sofern der Kunde nicht selbst eine Änderung vornimmt.

Bei einem zu niedrig oder nicht erteilten Freistellungsauftrag kann die abgeführte Kapitalertragssteuer vom Finanzamt zurückgeholt werden. Dazu muss bei der Einkommensteuererklärung die Anlage Einkünfte aus Kapitalvermögen ausgefüllt werden. Wurde zuviel Kapitalertragssteuer gezahlt, wird das Guthaben erstattet. Das Kreditinstitut stellt jährlich eine Bescheinigung über die erzielten Zinsen aus, welche dann mit der Steuererklärung abgegeben werden muss.

Es gibt auch Sonderfälle, bei denen trotz nicht erteiltem Freistellungsauftrag kein Steuerabzug vorgenommen wird. Zum einen ist dies bei Kapitalanlagen der Fall, bei denen der Zinssatz nicht über 1 Prozent liegt (z.B. der Guthabenszinssatz bei einem Girokonto). Zum anderen betrifft dies nur einmal im Jahr anfallende Kapitalerträge, die nicht größer als 10 Euro sind. Auch Zinsen auf Bausparverträgen unterliegen keinem Steuerabzug, wenn der Sparer Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage erhält.